Auch genannt: Agent-Regeldatei, CLAUDE.md, .cursorrules
Was drinsteht
Eine schlichte Markdown-Datei im Projektverzeichnis, die ein Agent zu Beginn liest – und die typischerweise vier Dinge festhält:
- Bau- und Testbefehle – wie das Projekt gestartet, gebaut und geprüft wird.
- Konventionen – Namensgebung, Struktur, Stil, verwendete Bibliotheken.
- Grenzen – was ohne Rückfrage nicht angefasst, geändert oder gelöscht wird.
- Kontext – wofür das Projekt da ist und welche Entscheidungen bereits gefallen sind.
Das Format ist seit August 2025 spezifiziert, wird nach Angaben des Projekts von über 60.000 Projekten genutzt und von mehr als 20 Werkzeugen gelesen; die Pflege liegt inzwischen bei einer herstellerneutralen Stiftung unter dem Dach der Linux Foundation. Das ist der praktische Grund, es dem werkzeugeigenen Format vorzuziehen: Es überlebt den Wechsel des Werkzeugs.
Werkzeugeigene Varianten
Daneben existieren CLAUDE.md, .cursorrules und ähnliche Dateien – dieselbe Idee, jeweils mit eigenen Zusatzfunktionen wie modularen Verweisen oder Regeln, die nur für bestimmte Dateien gelten. Inhaltlich überschneiden sie sich weitgehend.
Für ein Team mit gemischten Werkzeugen folgt daraus eine klare Empfehlung: eine gemeinsame Quelle pflegen und die werkzeugspezifischen Dateien daraus ableiten. Sonst driften die Regeln auseinander, und nach einem halben Jahr weiß niemand mehr, welche Datei gilt.
Warum das ein Governance-Artefakt ist
Der interessantere Teil liegt jenseits der Entwicklungsabteilung. Hier steht in Klartext und versioniert, was ein Agent darf und was nicht – lesbar für Menschen, befolgt von Maschinen, nachvollziehbar über die Versionshistorie. Damit ist es der greifbarste Ort, an dem sich Vorgaben zur Nutzung von KI-Werkzeugen dokumentieren lassen, statt sie in einer Richtlinie abzulegen, die kein Werkzeug liest.
Die Abgrenzung zu Skills ist dabei die entscheidende Entwurfsfrage: AGENTS.md sind dauerhaft gültige Regeln, Skills sind bei Bedarf abrufbare Fähigkeiten. Was immer gelten soll, gehört in die Regeldatei – ein Skill, der nicht geladen wird, wirkt auch nicht.
Zwei Grenzen sollte man dabei kennen: Die Datei ist eine Anweisung, keine technische Sperre – wo etwas verlässlich verhindert werden muss, braucht es Guardrails und enge Rechte, nicht einen Satz Text. Und sie verfällt wie jede Dokumentation: Eine Regeldatei, die den Stand von vor einem Jahr beschreibt, führt Agenten aktiv in die Irre.
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